Na, dann will ich hier doch auch mal meinen Senf dazugeben, nachdem dieser schöne Thread wieder aus der Versenkung aufgetaucht ist...
Meine früheste Jugend wurde musikalisch von Volksmusik und deutschem 70er-Schlager bestimmt; dies lag maßgeblich an meinen Eltern, die regelmäßig die „Hitparade“ und diverse volkstümliche Schunkelsendungen im Schwarzweiß-TV konsumierten. Ab und zu schauten sie auch „Disco“ mit Ilja Richter – und genau diese Sendung war es, die mich, sehr zu meiner Eltern Leidwesen, mit (naja) harter Gitarrenmucke infizierte. Eines Abends traten da nämlich Status Quo mit „Rockin' all over the World“ auf...und ich war begeistert.
Leider konnte ich im zarten Alter von 6 Jahren noch kein Wort Englisch, so dass ich mir weder den Namen dieser sagenhaften, langhaarigen Gestalten, geschweige denn den Namen des Songs merken konnte. Allerdings konnte ich mir lautmalerisch den Refrain (...and I like it, I like it...) halbwegs zusammenreimen, so dass ich meiner Ma fortan tierisch auf den Senkel ging, sie solle mir bitte, bitte dieses „Enaleididdl“ kaufen.
Ich muss es meiner Mum hoch anrechnen, dass sie tatsächlich in detektivischer Kleinarbeit und „Enaleididdl“-singend von Plattenladen zu Plattenladen rannte, um herauszufinden, wer das wohl sein könnte...jedenfalls bekam ich zu meinem 7. Geburtstag meinen ersten eigenen Mono-Kassettenrecorder inklusive der heißersehnten Status Quo-Kassette. Die lief dann Tag und Nacht, Morgens und Abends, so dass meine armen Ellis wahrscheinlich sehr bald ihr Engagement bitter bereut haben. Aber es sollte schlimmer kommen.
In der 5. Klasse hatte ich einen Mitschüler, der schon zweimal sitzengeblieben und dementsprechend 2 Jahre älter als der Rest von uns war – also schrecklich erwachsen und in höchstem Maße bewundernswert,
Heinrich (so hieß er) hörte am liebsten eine unfassbare Krachcombo aus Australien, die, in den Augen und Ohren meiner Mitschüler, Gesang durch nervenzerfetzendes Gekreisch ersetzte.
Ich war neugierig und sprach ihn darauf an – und am nächsten Tag brachte er mir ein Mixtape mit, auf dem, neben damaligen Charttiteln, auch „Whole Lotta Rosie“ von AC/DC enthalten war. Was soll ich sagen – ich war begeistert und ließ ihn nicht mehr in Ruhe, bis er mir ein komplettes AC/DC-Tape zusammengestellt hatte. Von da an waren Status Quo passé...und das Nervenkostüm meiner Eltern ebenfalls.
Irgendwann (ich glaube ich war etwa 10 Jahre alt) bekam ich dann auch einen ersten, eigenen Plattenspieler, den ich natürlich mit einem AC/DC-Album einweihte. Auch wenn meine Mutter verzweifelt riet, dass „Stelles & Co“ (= Status Quo, meine Ma kann auch gut Lautmalen) doch „viel, viel schöner wären und sich nicht so anhören würden, als hätten sie in die Stromleitung gefasst“, war mein erstes, selbsterworbenes Album die „Highway to Hell“.
Das ging dann eine Weile so weiter, diverse andere Alben von Angus & Co folgten, ich beteiligte mich mit Zähnen und Klauen am „AC/DC vs. Kiss – Kleinkrieg“, der in meiner Klasse tobte und betrauerte mit Heinrich ausgiebig den Tod von Bon Scott, von dem wir aus der „Bravo“ erfuhren. Bei dieser Gelegenheit bemerkte ich, dass in jener Postille, neben den üblichen charttauglichen Pfannkuchengesichtern, auch über andere, „knüppelharte“ Bands mit langen Haaren berichtet wurde.
Also begann ich meine Fühler auszustrecken, wo man diese ganzen verwegenen Combos zu hören bekommen könnte. Ich schaute verbissen all die Musiksendungen, die damals auf den drei Kanälen liefen und quälte mich durch allerlei Disco- und Plüschpop-Rotz, in der Hoffnung, etwas NOCH härteres als AC/DC zu entdecken.
Und dann geschah es tatsächlich: In einem „Musikladen-Special“ sollte eine Band namens „Saxon“ auftreten, von denen ich bereits in der Bravo gelesen hatte. An besagtem Tag bin ich extra früh ins Bett gegangen, nur um mich um ca. 22.30 Uhr heimlich ins dunkle Wohnzimmer zu schleichen und den „Musikladen“ zu schauen. Was ich sah, war mein persönlicher Einstieg in den echten Heavy Metal – Biff und seine Mannen hatten gerade die „Strong Arm of the Law“ auf die Menschheit losgelassen und liessen es in dieser Sendung 45 Minuten lang krachen, inklusive brennender Flying V und allerlei faszinierendem Gepose. Großartig!
Am nächsten Tag habe ich meinen jüngeren Bruder bequatscht, einen Teil seines Taschengeldes zu opfern, damit wir uns gemeinsam die „beste Platte der Welt“ kaufen konnten. Gesagt getan – und seit jenem Tag hat ebendieses Album auch einen ganz besonderen Stellenwert für mich.
Vor allem aber entdeckte ich in jenem Plattenladen („Elpi“ in Hagen) endlich die langersehnte Quelle, all die faszinierenden Bands aus der Bravo kennenzulernen – und noch viele weitere mehr. Da man dort noch nicht in Platten reinhören konnte, investierte ich mein Taschengeld also in diverse Sampler und wünschte mir dann die kompletten Alben von den Bands, die mir gefielen, zum Geburtstag, Weihnachten und ähnlichen Anlässen.
So lernte ich dann nach und nach die NWOBHM kennen, fand neue Faves in Angel Witch und Demon und sammelte nach und nach eine recht erkleckliche Plattensammlung heran. Mein Einstieg in NOCH härtere Mucke kam dann über einen Freund meines Bruders, der irgendwann einen ganzen Stapel LPs anschleppte, die er seinem älteren Bruder aus dem Regal gemopst hatte. Unter anderem waren das „Head on“ von Samson, die „Wildcat“ von den Tygers...und „Ace of Spades“ von Motörhead.
Letztere fand der Kumpel meines Bruders „viel zu hart und krachig“...und ich liebte sie! Also wurde nach und nach der komplette Backkatalog von Lemmy und Co. herangekauft. Lange Zeit waren Motörhead und Tank das härteste, was ich damals kannte...bis ich irgendwann in „Mel Sondock's Hitparade“ im Radio eine Combo namens „Metallica“ zu hören bekam. Aber das ist eine andere Geschichte...
Hier noch die 10 Alben, die mich in meiner Metal-Frühphase besonders geprägt haben:
Status Quo: Rockin' all over the World
AC/DC: Let there be Rock
AC/DC: Highway to Hell
Saxon: Strong Arm of the Law
Saxon: Wheels of Steel
Angel Witch: Angel Witch
Demon: The Unexpected Guest
Motörhead: Ace of Spades
Quartz: Stand up and fight
Black Sabbath: Mob Rules
